Zentrum Bibel und Spiritualität – das Herz des Katholikentags
150 Veranstaltungen mit Bezug zu Bibel und Spiritualität fanden in fünf Tagen im Zentrum Bibel und Spiritualität statt. Mit einer Auslastung von 95 bis 100 Prozent war es das am besten besuchte Zentrum und wahrhaftig das pulsierende Herz des 104. Katholikentags in Würzburg. Wieder einmal zeigte der große Ansturm auf die Angebote, dass das Thema Spiritualität in all ihren Facetten die Menschen anspricht. Wie zum Abschluss bekanntgegeben wurde, soll das Zentrum beim nächsten Katholikentag in Paderborn (24. bis 28. Mai 2028) dementsprechend noch größer angelegt werden.
Claudio Ettl, stellvertretender Direktor der Akademie CPH und in Nürnberg verantwortlich für das Projekt Bibel in Leichter Sprache, war bereits zum dritten Mal im Organisationsteam des Zentrums Bibel und Spiritualität (ZBS) mit der Planung des Angebots befasst. Sein Eindruck vom Katholikentag in Würzburg:
„Das Motto des Katholikentags „Hab Mut, steh auf“ hat offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Das wurde auch im ZBS deutlich, sozusagen einer der Herzkammern des Katholikentags. Dass wir nahezu alle Veranstaltungen wegen Überfüllung vorzeitig schließen mussten, zeigt, wie groß das Interesse war; täglich kamen etwa 5.000 bis 7.000 Besucher:innen. Das lag sicherlich vor allem an der großen Bandbreite der Themen und Formate: Es ging um grundlegende biblische Fragestellungen ebenso wie um praktische Methoden, um spirituelle und religiöse Erfahrung ebenso wie um konkretes politisches und ethisches Handeln in Gesellschaft und Kirche. Für mich persönlich war auch die entspannt-motivierte Atmosphäre und die großartige Kooperation in einem eingespielten Team ein besonderes Erlebnis.“
Claudio Ettl wirkte, gemeinsam mit seiner Kollegin Barbara Reiser aus dem CPH-Inklusionsteam, bei mehreren Angeboten zum Thema Bibel in Leichter Sprache in der Bibelwerkstatt mit. Unter dem Titel Empowerment - ganz leicht! vermittelten Claudio Ettl als Leiter des Projekts Bibel in Leichter Sprache, Nürnberg, und Barbara Reiser einen „Mutmach-Text“ aus dem Buch Tobit in Leichter Sprache. Und mit Hab Mut - ganz leicht! übertrugen die beiden die Bartimäus-Erzählung in Leichte Sprache.
Das Team "Bibel in Leichter Sprache" vom Katholischen Bibelwerk e.V. und der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus stellte auch die Übersetzung der Bibeltexte in Leichte Sprache zur Verfügung.
Erste „Demokratiekirche“ ein voller Erfolg
Lange Schlangen am Eingang, ausgebuchte Workshops, großer Redebedarf: Das ist die Bilanz der erstmalig auf einem Katholikentag installierten „Demokratiekirche“, die drei Tage lang im Zentrum von Würzburg in der Marienkapelle geöffnet war. Der Plan des Organisationsteams, die Teilnehmenden des Katholikentags über das Verhältnis von demokratischer Gesellschaft und Kirche ins Gespräch zu bringen, ist mehr als aufgegangen. Dafür wurden eigens die Bänke aus der Marienkapelle entfernt.
Martin Stammler, Bildungsreferent in der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus, hat die Demokratiekirche im Rahmen des Projekts „Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenwürde“ gemeinsam mit der Jugendbildungsstätte Unterfranken, „Würzburg solidarisch e.V.“ sowie dem Bistum und der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg mitorganisiert. „Zu erleben, wie das Konzept, an dem wir über ein halbes Jahr gearbeitet haben, so gut aufging, war schon Besonders. Die Rückmeldungen der Besucher:innen haben uns gezeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben. Die vielen guten Begegnungen und Gespräche über Gesellschaft, Demokratie und Kirche werden mir noch lange in Erinnerung bleiben.“
In der „StreitBar“ brachten Menschen ihre Fragen und Anliegen, zum Beispiel zum Thema „Teilhabe“ in offene Gesprächsrunden ein. So diskutierte eine bunt zusammengewürfelte Gruppe beispielsweise intensiv zur Frage, ob Jesus heute Klimaaktivist gewesen wäre.
Die Ergebnisse der Gesprächsrunden wurden an vier Säulen festgehalten, an denen auch neu hinzugekommene Besucher:innen der Demokratiekirche die Argumente und Kommentare nachlesen und ergänzen konnten. Die neun angebotenen Workshops waren allesamt überbucht – egal ob zu Diskriminierung, Mut, Gewaltfreier Kommunikation, Teilhabe oder Klassismus.
Ausstellungen und Installationen, unter anderem zum Thema Kirchenasyl, rundeten das kostenlose Angebot in der Demokratiekirche ab.
Streitgespräch „Wie politisch muss Kirche sein?“ trifft Nerv beim Publikum
Kontrovers war das Streitgespräch zur Frage, wie politisch Kirche sein darf. Über eintausend Teilnehmende folgten der Diskussion zwischen Kardinal Reinhard Marx, Anne Gideon (Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland), Prof. Marianne Heimbach-Steins (Christliche Sozialethikerin) und Ralph Brinkhaus (CDU, ehem. Fraktionsvorsitzender). Der Diskussionsbedarf der Teilnehmenden war enorm. Als „Anwälte des Publikums“ konnten Martin Stammler und sein KDM-Kollege Kai Kallbach nur einen kleinen Teil der über sechzig eingegangenen Fragen und Kommentare an das Podium weitergeben.
Die am häufigsten gestellte Frage richtete sich an den Vertreter der CDU/CSU, nämlich: Wofür das „C“ denn noch stehe, angesichts der politischen Positionen in den Bereichen Migrationspolitik, Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit – politische Positionen, die für die Fragenden im Kontrast zu christlichen Werten wie Nächstenliebe und der Gottesebenbildlichkeit des Menschen stehen.
Nachzusehen ist die Veranstaltung im Videostream auf www.katholikentag.de.
Das CPH war auch am Stand der Bundesarbeitsgemeinschaft „Kirche und Rechtsextremismus“ (BAG K&R) auf der Kirchenmeile am Mainufer beteiligt. Auch hier zeigte sich ein ähnliches Bild: Dass unsere Demokratie durch autoritäre Kräfte unter Druck steht, lässt viele nicht kalt. Der Wille, sich zu engagieren und zu vernetzen, war groß, was in vielen kleinen Gesprächen immer wieder deutlich geworden ist.








